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ZORAN MUSIC
Bukovica 1909 -2005 Venedig
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WEIBLICHER AKT, 1957
Gouache und Tusche auf Papier, 441 x 559 mm
Signiert und datiert Mitte unten: MUSIC 1957
Provenienz: Sammlung Beverly B. Bernstein, Washington D.C.
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Figur und Landschaft sind die primären Bildmotive in Zoran Musics Kunst. Während seiner Inhaftierung im Konzentrationslager Dachau war Music auf erschütternde Weise mit dem Leiden des Menschen konfrontiert, das er in expliziten Zeichnungen dokumentierte. Erst in den 1970er Jahren tauchen die traumatischen Erlebnisse in seinem malerischen und zeichnerischen Werkwieder auf. Die Gouache ,Weiblicher Akt‘ scheint hingegen – ebenso wie die „Cavallini“-Bilder – einem befriedeten Seelenzustand zu entspringen. Anstelle der Totenschreie, dem Schock, dem Grauen, Melancholie, Sanftheit, Lyrik. Music greift einen klassischen Darstellungstypus des weiblichen Aktes auf, den wir von Tizian über Velázquez bis Manet und Matisse kennen. Jedoch verwandelt der Künstler die sinnliche Anziehung des nackten Körpers, der sich dem Betrachter feilbietet, in ein abstrahiertes Farb- und Formenspiel mit Bezug auf das Flächenprimat. Die Figur in zarten Tönen gemalt wirkt wie ausgeschnitten, mehr wie eine Collage oder ein Scherenschnitt. Diese Flächigkeit wird durch die ornamentale Punktrahmung unterstrichen. Einflüsse der Byzantinischen Mosaikkunst sind erkennbar. Musics vorrangiger Wohnsitz ab den 1950er Jahren war ja Venedig. Dem Aktbild sind in seinem
erdigen Gesamttenor die sandig schroffen „Cavallini“-Bilder ähnlich, ihre Oberfläche wirkt mauergleich, wie ein Fresko. Aus dem steinig erdigen Gesamteindruck entsteht eine zutiefst sensitive Figuration, die Luminosität und Atmosphäre ausstrahlt.

Florian Steininger

Literatur: Siegbert Metelko, Charlotte Hug: Zoran Music. Monographie. Verlag Artacatos. Vaumarcus / Zürich 2009, Abb. S. 124.